Events sind laut, hell und oft mit einer grösseren Menschenmenge verbunden. Einen
Grossteil der Gesellschaft sucht genau das an einem Freizeit-Event - dieser Kick der
flackernden Lichter das Getose und Gerufe an einem Freizeit-Event. Das mag alles schön
und gut sein und doch gibt es einen kleineren Teil der Bevölkerung, welchem genau diese
Dinge im Weg stehen, um einen solchen Freizeit-Event zu besuchen.
Warum sollte ein Event Neuroinklusiv gestaltet werden?
Für neurodivergente Menschen, etwa Autist:innen oder Menschen mit ADHS, können genau diese Reize jedoch schnell zu einer Überforderung werden. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 15–20 % der Bevölkerung neurodivergent sind. Die meisten dieser Barrieren sind unsichtbar – anders als eine fehlende Rampe fallen sie auf den ersten Blick nicht auf. Genau deshalb werden sie bei der Eventplanung oft vergessen. zu mehr sozialer Gerechtigkeit, Gemeinschaftsgefühl und positive Erlebnisse für alle Teilnehmenden bei.Die drei Grundprinzipien der neuroinklusiven Eventgestaltung
Diese drei Bausteine dienen nicht nur neurodivergenten Menschen. Klarere Information, mehr Rückzugsmöglichkeiten und eine respektvollere Gestaltung kommen praktisch allen Besuchenden zugute – dies zeigt der sogenannte Curb-Cut-Effekt. Neuroinklusion ist also weniger eine Frage des "Ob", sondern der Priorisierung.Detailierte Vorabinformationen
Menschen sollen sich vor einem Event ein möglichst genaues Bild davon machen können, was sie erwartet. Das reduziert Angst und ermöglicht es, sich vorzubereiten. Häufig fehlt es dabei weniger an aufwändigen neuen Massnahmen, sondern schlicht daran, ohnehin vorhandene Informationen auch tatsächlich zu kommunizieren.
Rückzugsort schaffen
Ein Rückzugsort ist keine "nice to have"-Option, sondern für viele die wichtigste Massnahme überhaupt. Entscheidend ist, dass er wirklich nutzbar ist: leicht auffindbar, nicht mit anderen Funktionen (Garderobe, Backstage) vermischt und ohne dass man ihn aktiv "verdienen" oder rechtfertigen muss
Zielgruppe einbinden
Massnahmen, die gemeinsam mit Betroffenen statt nur für sie entwickelt werden, wirken erfahrungsgemäss deutlich besser als von aussen aufgesetzte Lösungen. Feedback einholen und ernst nehmen lohnt sich.
Sensorische Umgebung
Licht
Licht
Herausforderungen
Viele neurodivergente Personen reagieren empfindlich auf grelles, flackerndes oder ständig wechselndes Licht...
Geräusche
Geräusche
Herausforderungen
Laute, unvorhersehbare Geräusche wie plötzliches Klatschen oder PA-Durchsagen können schnell überfordern.
Gerüche
Gerüche
Herausforderungen
Starke Düfte – Parfum, Reinigungsmittel, intensive Essensgerüche – können bei erhöhter Geruchsempfindlichkeit körperliches Unwohlsein auslösen.
Dekoration
Dekoration & visuelle Reize
Herausforderungen
Überladene, hochkontrastige Dekoration kann als visuelles Chaos wirken. Gleichzeitig wünschen sich viele nicht radikale Reduktion, sondern vor allem Klarheit und Übersichtlichkeit.
Tools
Stimming und Sensorik-Tools
Herausforderungen
Fidget-Tools können beim Selbstregulieren helfen. Viele bevorzugen jedoch eigene, bereits vertraute Gegenstände gegenüber bereitgestellten – teils auch aus hygienischen Gründen.
Raum und Rückzug
Rückzugsort
Rückzugsort
Herausforderungen
Ein Rückzugsort war in der Forschung mit Abstand die am häufigsten genannte Massnahme – gleichzeitig auch jene mit der grössten Lücke zwischen Bedürfnis und tatsächlicher Erfahrung. Ein Rückzugsort nützt nur dann, wenn er wirklich als solcher funktioniert.
Sitzen
Bewegungsfreiheit
Herausforderungen
Weder feste, unverrückbare Sitzordnung noch komplett freie, unstrukturierte Stehbereiche passen für alle. Gesucht wird meist ein Mittelweg zwischen Stabilität und Bewegungsfreiheit.
Einlass und Sicherheit
Einlass
Ticketing und Einlass
Herausforderungen
Enge, dichte Warteschlangen sowie Unsicherheit über den eigenen Energiepegel am Eventtag selbst stellen für viele eine erhebliche Belastung dar.
Kontrollen
Sicherheitskontrollen
Herausforderungen
Körperkontakt, unangekündigte Berührung und ein als "streng" oder einschüchternd wahrgenommener Kontrollstil können besonders belastend wirken – auch wenn die Reaktionen individuell stark variieren.
Dresscode
Dresscode
Herausforderungen
Unklare oder implizite Dresscodes erzeugen Unsicherheit. Gleichzeitig wird ein zu strenger, verbindlicher Dresscode (z. B. ein vorgeschriebenes Motto) von manchen als einschränkend empfunden.
Kommunikation und information
Infos
Vorinformationen
Herausforderungen
Fehlende oder unvollständige Informationen im Vorfeld erhöhen Unsicherheit und damit das Risiko einer Überforderung – oft mehr als einzelne Reize während des Events selbst.
Sprache
Klare Sprache
Herausforderungen
Redewendungen, Ironie oder vage Formulierungen können missverstanden werden oder zusätzliche Verarbeitungsleistung erfordern.
Erkennung
Erkennungs- und Kommunikationstools
Herausforderungen
Eine sichtbare Kennzeichnung (z. B. spezielle Bändel) wird nicht von allen gewünscht – manche empfinden dies eher als Stigmatisierung, wollen aber trotzdem eine Möglichkeit haben, im Bedarfsfall auf ihre Situation hinzuweisen.
Personal und Unterstützung
Awareness
Awarenessteams
Herausforderungen
Reine Security wird oft als einschüchternd wahrgenommen. Gewünscht ist geschultes Personal, das unabhängig von der Security agiert und ruhig, zugewandt auftritt.
Feedback
Feedback
Herausforderungen
Ohne Rückmeldemöglichkeiten bleiben Lücken zwischen Anspruch und tatsächlicher Umsetzung oft unentdeckt.
Rahmengestaltung
Programm
Programmgestaltung
Herausforderungen
Lange, ununterbrochene Programmblöcke sowie ein streng durchgetakteter Ablauf mit fest zugewiesenen Plätzen können zusätzlich belasten, da sie kaum Raum für individuelle Regulierung lassen.
Essen
Verpflegung
Herausforderungen
Sensorische Empfindlichkeiten gegenüber Geschmack, Geruch und Konsistenz von Speisen sowie unklare Angaben zu Inhaltsstoffen können Stress auslösen.